Interview

 

Donnerstag, 09. Juli 2009

Mein Besuch bei der Sportzeitung EQUIPE

von Böser Wolf | mechant-loup.schule

Jean-Pierre Bidet ist Journalist der Radport-Redaktion von L'EQUIPE, die einzige französische Sporttageszeitung. In Deutschland gibt es keine täglich erscheindende Sporttageszeitung.

L'EQUIPEWann wollten Sie Journalist werden?

Ich weiß nicht mehr! Eigentlich hatte ich mehrere Leidenschaften und mit dieser hat es sofort geklappt. Natürlich erinnere ich mich an die Olympischen Spiele 1972 in München, ich war damals 6 Jahre alt. Aber die wahren Erinnerungen, das sind die Spiele von Montreal, also 1976.

Außerdem gefiel es mir zu schreiben, ich hatte damit in der Schule keine Probleme, es lag also nah!

Und erinnern Sie sich an Ihren ersten Artikel?

Ja, daran erinnere ich mich. Es gab eine Rubrik über Triathlon, eine kleine Sportart, die gerade ein wenig aufstieg und die niemand verfolgte. Der erste Radsport-Artikel, den ich gemacht habe, war eine Darstellung eines belgischen Rennens, das sich Het Volk nennt, ein belgischer Klassiker.

Und bereits im ersten Jahr habe ich die Tour de France begleitet, ich war seit einem Monat da und habe Mailand-San Remo gemacht. Auf ging’s!

Was machen Sie bei der EQUIPE?

Ich bin stellvertretender Chef vom Dienst. Ich bin hier so etwas wie der « Kapitän ». Es gibt ein Heer von Leuten vor Ort und hier werden sie angeleitet, man hilft ihnen, hier ist die Regie. Das ist also meine Rolle.

Wie viele Journalisten arbeiten in dem Bereich Radsport?

Es gibt etwa zehn Journalisten, die den Radsport das ganze Jahr über verfolgen, sogar während des Winters. Außerdem haben wir zwei Chauffeure, da wir die Rennen im Auto verfolgen. Also sind wir immer zwölf.

Haben Sie bekannte Rennfahrer kennengelernt?

Ich habe Lance Armstrong bei 6 von 7 Tours de France verfolgt, die er gewonnen hat. Ich hatte eine gute, privilegierte Beziehung zu ihm, so dass ich sehr nah an ihn herankam, mit ihm sprechen, mich mit ihm treffen konnte. Also habe ich meine Arbeit 6 Jahre lang gemacht, indem ich in Anführungszeichen « angenehme » Dinge über ihn schrieb, wenn es angebracht war, weniger angenehme Dinge, wenn es ebenfalls angebracht war.

Und dann haben wir im August 2005 diesen Scoop gehabt und die Sensation über ihn und Doping rausgebracht. Dann habe ich nicht gerade nette Sachen über Lance Amstrong geschrieben. Man muss den Abstand zu den Sportlern behalten. Bei der Equipe versucht man, sich nichts zu verbieten. Übrigens verbietet man sich auch nichts!

Gibt es vor allem im Radsport Doping?

Doping ist Teil des Sports, egal ob Rad oder eine andere Sportart. Der einzige Unterschied ist, dass der Radsport eine ältere und stärkere Tradition hat. Im Gegensatz zu anderen Sportarten findet man Doping im Radsport nur, weil man es dort sucht. Ich sage nicht, dass man in anderen Sportarten nicht sucht, aber man sucht sicher weniger und weniger gut.

 

Interview: David |© Grand méchant loup